Agilität im Handwerk

Woher kommt Agilität?

Der Begriff der Agilität kommt ursprünglich aus der Softwareentwicklung. Hier wurde das „Agile Manifest“ als Grundlage für agiles Projektmanagement formuliert. Es enthält vier Wortpaarte und zwölf Prinzipien, die beschreiben, wie agiles Arbeiten gestaltet werden sollte.

Mit dem „Agilen Manifest“ sollte unter anderem erreicht werden, dass das Risiko einer Fehlentwicklung im Softwareentwicklungsprozess durch regelmäßiges Feedback vom Kunden und der Möglichkeit, zeitnah darauf reagieren zu können, minimiert werden konnte. Außerdem sollte so ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess gestaltet werden. Kurze Wege und geringe Wartezeiten sollten einen hohen Kundenutzen und zugleich ein motivierendes Arbeitsumfeld schaffen.

Die bekannteste Methode, um agiles Projektmanagement in einem Team umzusetzen, ist Scrum. Hier wird ein Produkt in mehreren Iterationen, also Wiederholungsschleifen, entwickelt. Dabei wird das noch unfertige Produkt bereits am Kunden getestet. Was Scrum genau ist, lesen Sie unten.

Was ist Agilität?

Viele Menschen denken bei dem Begriff der Agilität zunächst an Flexibilität. Doch Agilität ist deutlich mehr als das. Ein Betrieb, die sich an agilen Prinzipien orientiert, kann auf sechs Dimensionen beschrieben werden:

  • Agiles Zielbild: Damit Agilität in den Betrieb integriert werden kann, sollte sie in Vision, Mission und die strategischen Unternehmensziele aufgenommen werden.
  • KundenorientierteOrganisationsstruktur: Der Betrieb sollte sich nicht an sich selbst ausrichten, sondern den Fokus auf die Produkte oder Dienstleistungen und vor allem auf die Bedarfe des Kunden richten. Die Strategie, die verfolgt werden sollte, ist die Maximierung des Kundennutzens.
  • IterativeProzesslandschaften: Die Prozesse im Betrieb sollten so gestaltet sein, dass sie kurzfristige und schnelle Ergebnisse sowohl für die Kunden als auch für die Mitarbeiter ermöglichen. Eine Realisierung von sogenannten Quick Wins, also schnelle Resultate, die mit wenig Aufwand erzielt werden können, und eine frühe Einbindung des Kunden gewährleisten sind hierfür essenziell. Dadurch kann eine schnelle Anpassungsfähigkeit des Betriebs, z.B. auch in Krisenzeiten erreicht werden.
  • MitarbeiterzentriertesFührungsverständnis: Die Führungskraft bzw. der Chef sollte im Dienst des Teams stehen. Das bedeutet, dass statt der Ausübung von Druck, Verantwortung übertragen und Selbststeuerung gefördert werden sollte.
  • Agile Personal- und Führungsinstrumente: Wichtig sind hier gemeinsam gelebte Werte und kontinuierliche Mitarbeiterentwicklung, die von außen, z.B. durch externe Lehrgänge, sowie von Innen, z.B. Lerntandem oder den Austausch mit Kollegen, gestaltet werden kann.
  • Agile Organisationskultur: Im gesamten Betrieb sollte eine agile Organisationskultur vorherrschen. Diese ist gekennzeichnet durch Transparenz, Vertrauen, regelmäßige Kommunikationsschleifen und schnelles sowie regelmäßiges Feedback.

Wie sieht das in der Praxis aus – am Beispiel von Scrum?

Wie bereits oben erwähnt, ist Scrum ein Prozessmodell, um in der Produktentwicklung agil zu arbeiten und ein Produkt in mehreren Wiederholungsschleifen zu entwickeln. Hierfür werden drei Rollen definiert: der Project Owner, der Scrum Master und das Entwicklungs-Team. Der Product Owner stellt die fachlichen Anforderungen an das Produkt und priorisiert sie, der Scrum Master steuert den Prozess und kümmert sich um aufkommende Hindernisse und das Team entwickelt letztendlich das Produkt.

Außerdem wird eine Kommunikationsstruktur mit vier Meeting-Typen etabliert: die Planungsphase, das Daily oder auch Tagesmeeting, die Retrospektive und der Rückblick (Review). In der Planungsphase wird zu Beginn eines Prozesses geplant, welches Produkt angegangen werden soll und welche Ziele erreicht werden sollen. Das Entwicklungs-Team trifft sich während der Sprint Ausführung jeden Morgen zu einem 15-minütigen Meeting, dem Daily. Hier nennen sie kurz den Status und Ist-Stand ihrer Aufgabe. Im Review wird das entstandene Produkt reflektiert, in der Retrospektive sind vor allem die Zusammenarbeit im Team und die Ableitung von Erkenntnissen für den nächsten Prozess zentrales Thema.

Während des Prozesses werden Ergebnisse in einer Art Ergebnisspeicher festgehalten. Der Scrum Prozess wird mehrfach wiederholt. Jeder sogenannte „Sprint“-Prozess dauert dabei zwischen ein bis vier Wochen.

Ein bekanntes Beispiel aus dem Handwerk, das die Methode des Scrum anwendet, ist die Bäckerei Bergmann. Sie wendet Prinzipien und Methoden aus Scrum erfolgreich an und konnte sowohl den Umsatz als auch die Mitarbeiterzufriedenheit in den letzten Jahren deutlich steigern.

Wie kann Agilität im Handwerk genutzt werden?

Insbesondere das Handwerk kann agile Prozesse und Methoden im eigenen Betrieb mit wenig Aufwand verankern, weil…

  • es häufig kurze und schnelle Entscheidungswege gibt, da im Handwerk vorwiegend kleine und mittelständische Betriebe zuhause sind.
  • es flache Hierarchien gibt.
  • eine familiäre Atmosphäre und ausgeprägte Teamarbeit (Baustellen etc.) vorherrscht.

Leider gibt es auch einige Nachteile klassischer Handwerksbetriebe, die die Einführung von Agilität in einem Handwerksbetrieb erschweren können:

  • Alle Verantwortung liegt beim Chef. Das hemmt die Anpassung des Betriebs und man verliert an Schnelligkeit. Das Abgeben von Verantwortung an andere im Betrieb und das bewusste Einbeziehen der Mitarbeiter und ihrer Meinungen kann hier Abhilfe schaffen.
  • Die Geschäftsleitung hat häufig eine große Arbeitsbelastung durch das laufende Tagesgeschäft und hat so Schwierigkeiten, die Zeit für das neue Thema Agilität im Betrieb zu finden. Selbstgesteuerte und eigenständige Mitarbeiter, die mehr Verantwortung innerhalb eines klar gesteckten Rahmens erhalten, können dem Chef Planungsaufwand abnehmen.
  • Häufig wissen Mitarbeiter nicht über die strategische Ausrichtung des eigenen Betriebs Bescheid. Doch eine transparente Kommunikation ist essenziell: nur wer das „Warum“ und das „Wozu“ der eigenen Arbeit versteht, kann auch eigenständige und effiziente Entscheidungen treffen und das eigene Handeln nach dem übergeordneten Ziel ausrichten.

Wie mache ich mein Unternehmen agil?

Zuerst sollten Sie sich als Chef oder Führungskraft mit dem Thema der Agilität an sich und dem agilen Arbeiten inhaltlich und theoretisch auseinandersetzen. Gut geeignet sind dazu Trainings, die extern oder intern angeboten werden.

Beim weiteren Prozess lässt man sich idealerweise methodisch begleiten. So können Sie auf externe oder interne Expertise zurückgreifen und können sich auf den inhaltlichen Teil fokussieren. Die Einführung von agilem Arbeiten beginnt meist mit einem Workshop zur Zieldefinition. Hier sind Fragen wie „Was wollen Sie mit Agilität in Ihrem Betrieb erreichen?“ und „Was sind die ersten Schritte, die Sie hier angehen möchten?“ zu beantworten. Die Kommunikation im Betrieb ist dabei von Anfang an zentral. Wichtig ist, die Mitarbeiter früh zu informieren und am Prozess teilhaben zu lassen. Weitere Schritte folgen nach dem Workshop in Abhängigkeit von Ihrer Zielsetzung und Ihrem Betrieb.

Welche Methoden können hier unterstützen?

Die Einführung von Agilität stellt für Ihren Betrieb eine Veränderung dar. Auch Ihre Mitarbeiter müssen sich umstellen und auf eine neue Arbeitsweise einlassen. Um die Veränderung bestmöglich zu steuern und Agilität in Ihrem zu verankern, können folgende Methoden hilfreich sein:

  • Vision, Mission und Unternehmensziele
  • Shopfloor
  • Zeitmanagement und Arbeitsorganisation
  • Mitarbeiterbefragung
  • Visuelles Mitarbeitergespräch und Mitarbeiterentwicklung
  • Selbstgesteuerte Teams
  • Arbeit „am Unternehmen“, nicht „im Unternehmen“

Termin Talkrunde – Dezember 2021

Nehmen Sie neue Impulse mit und gehen Sie mit uns und mit anderen Handwerksunternehmen in den Dialog zum Thema:

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Warum agiles Arbeiten auch im Handwerk von Bedeutung ist und wie Sie agile Methoden in Ihrem Betrieb einbinden können.

Wenn Sie sich schon jetzt intensiver mit dem Thema agiles Arbeiten beschäftigen und Fragen haben, rufen Sie bei Ihrer Personalberaterin oder Ihrem Personalberater der Handwerkskammer an.

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