Wirtschaftliche Stabilität: Das Unternehmen erfolgreich führen – Was die Kennzahlen verraten

Nachhaltigkeit ist das Schlagwort unserer Zeit. Sie liegt nicht nur bei den Unternehmen oder deren Kunden im Trend, sondern ist auch eine Notwendigkeit für alle, denen Klima und Umwelt am Herzen liegen. Das Prinzip Nachhaltigkeit umfasst aber nicht nur den ökologischen Aspekt, also den dauerhaften Schutz von Umwelt und Ressourcen. Genauso wichtig ist die Erfüllung sozialer und wirtschaftlicher (ökonomischer) Ziele. Ein ökonomisch nachhaltig geführtes Unternehmen wird dauerhaft gewinnbringend betrieben und verfolgt das Ziel wirtschaftlicher Stabilität ohne Ressourcen zu verschwenden oder Menschen auszubeuten. Kennzahlen verraten, wie es um ein Unternehmen steht und helfen dabei Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen. Die eigentliche Arbeit beginnt, wenn man Fehlentwicklungen beobachtet. Dann gilt es die Ursachen zu ergründen und Maßnahmen zu entwickeln, die dem Problem entgegenwirken.
DIE richtige Kennzahl gibt es aber nicht. Stattdessen muss individuell geprüft werden, welche Kennzahlen für das Unternehmen und das Geschäftsmodell sinnvoll sind, mit möglichst einfachen Mitteln erhoben werden können und genügend Aussagekraft besitzen. In einem ersten Schritt geht es deshalb erst einmal darum, die eigenen Ziele festzulegen und zu definieren, welche Erfolgsfaktoren und Messgrößen sich für eine Kontrolle eignen. Ideal ist es, wenn sich die Kennzahlen aus der bestehenden EDV automatisiert entnehmen lassen. Auch die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) liefert wertvolle Hinweise, wenn sie alle aktuelle Daten sowie die Abschreibungen enthält.

Einige der wichtigsten Kennzahlen und Messgrößen im Handwerk:

Die Eigenkapitalquote gibt an, wie hoch der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital ist. Sie wird zur Beurteilung der Kapitalkraft und der finanziellen Stabilität des Unternehmens herangezogen. Je höher die EK-Quote, umso höher ist die Unabhängigkeit gegenüber Fremdkapitalgebern. Liegt die EK-Quote unter 10%, gilt sie üblicherweise als zu niedrig. Branche, Größe und Rechtsform beeinflussen diese Kennzahl allerdings stark. Deshalb lohnt hier der direkte Vergleich mit den Kollegenbetrieben.

Berechnung EK-Quote in % = (Eigenkapital : Bilanzsumme) x 100

Die Umsatzrendite oder auch Gewinnspanne gibt Auskunft darüber, ob und wie rentabel das Unternehmen gearbeitet hat. Eine Umsatzrentabilität über 5 % ist ein solides Ergebnis, über 10 % ist sie sehr gut. Die durchschnittliche Umsatzrentabilität kann von Gewerk zu Gewerk stark schwanken. Deshalb sollte man sich am Durchschnittswert der eigenen Branche orientieren.

Berechnung Nettoumsatzrendite in % = (Betriebsergebnis : Umsatz) x 100

Die Cash-Flow-Rate gibt Auskunft über Erfolg und finanzielle Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Sie zeigt auf, welcher Anteil des Umsatzes im Unternehmen verbleibt und für Investitionen, Kredittilgung und Gewinnausschüttung bzw. Privatentnahme zur Verfügung steht. Je höher die Cashflow-Rate, desto eher ist das Unternehmen in der Lage, zukünftig Chancen zu nutzen und Risiken abzuwehren. Der Wert sollte über dem Kapitalmarktzins und keinesfalls unter 2% liegen.

Berechnung:
Cash-Flow-Rate in % der Betriebsleistung = ((Betriebsergebnis + AfA) : Betriebsleistung) x 100

Diese Liquiditätskennzahl gibt Auskunft über die kurzfristige Zahlungsfähigkeit. Werte unter 100% signalisieren Insolvenzgefahr; gute Werte liegen über 200%. Dann ist das Umlaufvermögen zum Teil langfristig finanziert und das Unternehmen gerät auch nicht in Schieflage, wenn Teile der Vorräte bzw. der Fertigwaren nicht zeitnah verkäuflich sind.

Working Capital = (Umlaufvermögen : kurzfristiges Fremdkapital) x 100

Die Betriebsleistung ist im Handwerk häufig nicht so aussagekräftig wie der erzielte Rohertrag. Er berechnet sich aus dem Umsatz abzüglich des verbrauchten Materials sowie der eingekauften Fremdleistungen und gibt Auskunft über die tatsächlich im Unternehmen erzielte Wertschöpfung. Der Rohertrag steht für die Deckung der betrieblichen Kosten maximal zur Verfügung. Ist er zu niedrig, bleibt am Ende nichts für die Privatentnahme oder die Gewinnausschüttung übrig.

Die Wareneinsatzquote verrät, wie viel Prozent vom Umsatz man für Material und Rohstoffe ausgegeben hat. Diese Zahl wird vor allem durch den Vergleich mit den Werten anderer Unternehmen derselben Branche aussagekräftig. Wichtig: auch unterjährig sollte man den Bestand an Waren und Rohstoffen regelmäßig erfassen, um den tatsächlichen Verbrauch berücksichtigen zu können.

Die Personalaufwandsquote setzt den in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen Personalaufwand in ein Verhältnis zur Gesamtleistung des Unternehmens. Ein Unternehmen kann sich mit anderen Unternehmen seiner Branche vergleichen, um zu erkennen, ob Wettbewerber ihre Leistung mit weniger Personalaufwand erzielen. Die Personalaufwandsquote lässt zudem Schlüsse auf die Fixkostenbelastung und somit die finanzielle Flexibilität des Unternehmens in schlechteren Zeiten zu.


Berechnung: Personalaufwandsquote = (Personalkosten : Gesamtleistung) x 100

Da jedes Unternehmen anders arbeitet, sind Leistungskennzahlen wichtig, die für die Messung der Produktivität von Beschäftigten verwendet werden. Dies gilt besonders in personalintensiven Gewerken.

Hilfreiche Kennzahlen können u.a. sein:

  • Betriebsleistung Handwerk je produktiv Beschäftigtem
  • Handwerkliche Wertschöpfung je Produktivstunde
  • Produktive Stunden pro Jahr und Beschäftigtem

Damit die Kennzahlen und Messgrößen Aussagekraft erhalten, sollten sie immer im Vergleich z.B. zum Vorjahr oder dem Vormonat betrachtet werden. Genauso hilfreich kann die Frage sein, wie das eigene Unternehmen im Vergleich zu anderen dasteht. Vergleichszahlen liefern zum Beispiel die Betriebsvergleiche des LGH in Düsseldorf oder der Banken und Sparkassen, die es für viele Branchen und Gewerke gibt. Die betriebswirtschaftlichen Beraterinnen und Berater der Handwerkskammern und Fachverbände helfen bei der Berechnung von aussagekräftigen Kennzahlen und der Analyse der eigenen Werte.

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